Als der Lear-Ara Ende der 1970er-Jahre in Brasilien entdeckt wurde, stand es schlecht um diese aussergewöhnliche Papageienart. Damals lebten nur noch rund 100 Tiere in freier Natur.
Heute sieht die Situation deutlich besser aus: Inzwischen fliegen wieder mehr als 2'500 Lear-Aras über die Dornbuschsavannen im Nordosten Brasiliens. Damit gehört die Entwicklung dieser Art zu den eindrücklichsten Erfolgsgeschichten des internationalen Artenschutzes.
Ein Video aus der Reihe «Reverse the Red» von hundkatzemaus zeigt, wie Zoos, Wissenschaftler und Naturschutzorganisationen gemeinsam daran gearbeitet haben, den Lear-Ara vor dem Aussterben zu bewahren.
Vom Loro Parque zurück nach Brasilien
Die Dokumentation begleitet unter anderem zwei Lear-Aras aus der Zuchtstation des Loro Parque auf Teneriffa auf ihrem Weg zurück nach Brasilien.
Bevor eine solche Reise überhaupt möglich ist, sind zahlreiche Vorbereitungen notwendig. Die Vögel werden umfassend gesundheitlich untersucht, verbringen eine vorgeschriebene Zeit in Quarantäne und müssen auf den aufwendigen Transport vorbereitet werden.
In Brasilien beginnt anschliessend die wohl wichtigste Etappe: die Vorbereitung auf ein Leben in ihrer ursprünglichen Heimat.
Das Beispiel zeigt sehr schön, welchen Beitrag Erhaltungszucht leisten kann. Aus einer kleinen Reservepopulation entwickelte sich über viele Jahre ein internationales Schutzprojekt. Mittlerweile konnten bereits zahlreiche Lear-Aras zurück nach Brasilien gebracht werden.
Besonders erfreulich ist, dass sich ausgewilderte Tiere inzwischen auch wieder erfolgreich in der Natur fortpflanzen.
Artenschutz endet nicht an Ländergrenzen
Die Dokumentation beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Lear-Ara.
Auch der Kölner Zoo beteiligt sich an internationalen Erhaltungsprogrammen. Dort wird unter anderem das stark bedrohte Philippinen-Krokodil gezüchtet, das zu den seltensten Krokodilarten der Welt gehört.
Einige Nachzuchten konnten bereits auf die Philippinen zurückgebracht werden. Gleichzeitig werden Tiere zwischen verschiedenen Zoos ausgetauscht, damit eine möglichst genetisch gesunde Population erhalten bleibt.
Langfristig sollen auch aus diesen Zuchtprogrammen weitere Tiere hervorgehen, die eines Tages wieder in geeigneten Schutzgebieten ihrer ursprünglichen Heimat leben können.
Zoos als Teil des Artenschutzes
Zoodirektor und Artenschutzexperte Prof. Matthias Reinschmidt bringt das Ziel solcher Projekte treffend auf den Punkt:
Zitat«Das ist doch unser grösstes Ziel: Tiere in Menschenobhut zu züchten und dann zurückzubringen in die Natur.»
Natürlich kann Erhaltungszucht allein den Verlust von Lebensräumen, Wilderei oder andere Bedrohungen nicht lösen. Erfolgreiche Auswilderungen funktionieren nur dann dauerhaft, wenn gleichzeitig auch die natürlichen Lebensräume geschützt werden.
Beim Lear-Ara zeigt sich jedoch eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Zoos, Wissenschaft, Behörden und Naturschutzorganisationen über viele Jahre zusammenarbeiten.
Von rund 100 Tieren auf heute mehr als 2'500 frei lebende Lear-Aras – das ist ein Erfolg, der Hoffnung macht.
🎥 Das dazugehörige Facebook-Video verlinke ich euch im Beitrag.
Für Vogelfreunde ist die Dokumentation meiner Meinung nach besonders sehenswert, weil sie nicht nur schöne Bilder zeigt, sondern auch deutlich macht, wie viel Arbeit, Zeit und internationale Zusammenarbeit hinter einer erfolgreichen Wiederansiedlung stehen.